Ich sehe was - was du nicht siehst

Berlin - Ecke Eberswalder/Schönhauser

Das Konzept

 

Das Betrachten und die Wahrnehmung ein und derselben Realität ist in jedem Fall immer ein ausschließlich subjektiver und im eigentlichen Sinne intimer Prozess und kann nicht objektiviert werden.
Dieser Prozess führt zu den unterschiedlichsten individuellen Wahrheiten, die wiederum in ihrem Austausch und ihrer Ansammlung eine große kollektive Wahrheit (übergreifende Abbildung der Realität) bilden. Geschichten, die jeder erlebt, Bilder, die jeder gesehen zu haben glaubt.

Beobachter, Voyeur, Zuschauer, Betrachter - ein Ort, eine Szene, verschieden viele Wahrnehmungen, verschieden viele Interpretationen, keine einzige deckungsgleich (nachvollziehbar in Befragungsprotokollen zu bestimmten Ereignissen).
Ein Ort, voll von Geschichte und Geschichten, ein Ort, an dem das Leben 24 Stunden am Tag pulsiert, ein Ort, der permanent angetan ist neue Geschichten zu erfinden und zu erzählen.

Eine Gruppe von Fotografen, jeder Einzelne begibt sich individuell an diesen Ort, symmetrisch oder asymmetrisch zu den anderen, um die Geschichte und Geschichten dieses Ortes mehr oder weniger wissend, diesen Ort nun zu betrachten in der Gegenwart mit seinem ganz eigenen Blick. Der Blick durch den Sucher der Kamera, offensichtlich oder versteckt, provozierend oder verschämt, spontan oder inszeniert. So werden wieder neue Geschichten erzählt, das sich küssende Paar, die betrunkene Frau, das eilige Hasten nach der Straßenbahn, das nächtliche Rumtreiben, die streitenden Männer und Frauen, der Biss in die Currywurst, das einsame Telefonat inmitten der Menge, die architektonischen Eigenarten. In den Bildern offenbart sich der Blick des Fotografen und fordert auf, diesem Blick zu folgen und aus dem Gesehenen wieder die eigene Wahrnehmung zu entwickeln, die neue Geschichte und kollektive Wahrheit wird.

Die Umkehrung dieses Prozesses, die Zerlegung der kollektiven Wahrheit in die vielen Facetten der individuellen Wahrheiten und Wahrnehmungen in Form der gestalteten Fotografien als Ausdruck der verschiedenen Sichtweisen ist das wesentliche Konzept dieser Gruppenarbeit. Die Ausstellung bildet dabei wiederum ebenfalls eine ganz neue eigene kollektive Geschichte durch die Summe der Einzelgeschichten der subjektiven Wahrnehmungen der Betrachter der Ausstellung.

Der Ort:
 Einer der wohl bekanntesten Plätze Berlins. Die Kreuzung am U-Bahnhof Eberswalder Straße, an der fünf Straßen aufeinander treffen und sich dann wieder verlieren, Schönhauser Allee, Eberswalder Str., Danziger Str., Pappelallee und Kastanienallee.


Ausstellungskatalog